Diagnose: „Sie sind erkrankt an …!“

2010 ich sitze im Wartezimmer meiner Rheumapraxis in Berlin-Wilmersdorf. Gleich erhalte ich meine Blut- und Urinergebnisse. In wenigen Minuten weiß ich, warum meine Gelenke anschwellen und ich ständig das Gefühl habe mich übergeben zu müssen.

Nein, schwanger bin ich nicht.

10.10.2010 ich verlasse die Praxis mit der Diagnose: „Sie sind an Lupus erythematodes erkrankt.“

Aha!

Ich konnte es weder glauben noch annehmen. Ich wollte nicht krank sein, also war ich es auch nicht!

 

 

Wie geht man mit solch einer Diagnose um?

 

Der Mensch ignoriert zu Beginn. Grundsätzlich ist das nicht zu verurteilen, denn das ist unser persönlicher Schutzmechanismus. Problematisch wird es letztendlich, wenn wir auf Dauer ignorieren und somit verdrängen.

Alles Verdrängte platzt irgendwann aus uns heraus.

Damit umzugehen, sollten wir individuell entscheiden. Es gibt kein Patentrezept, wie man solche Diagnosen am Besten bewältigt.

Alles was mein Arzt mir zu Beginn mitteilte, stellte ich ganze vier Jahre auf die Probe.

Was er mir auch mitteilte, wollte ich nicht wahrhaben.

Ich sollte Medikamente nehmen, also nahm ich sie ein, wann ich wollte oder ließ sie komplett weg, Sie runterzuschlucken war für mich eine Qual. Heute kann ich 20 Tabletten gleichzeitig einnehmen, ohne Würgereize zu kriegen.

Die Sonne sollte ich meiden, also legte ich mich in die pralle Sonne meines Brasilien Urlaubs und prompt bekam ich vier Wochen später die heftigsten Verbrennungen meines Lebens. Ich sah aus wie ein Brandopfer das mit Benzin übergossen wurde.

Ich ging mit meiner Diagnose, vor allem aber mit mir selbst überhaupt nicht gut um. Ich war nie krank und wusste überhaupt nicht damit umzugehen. Auf einmal sollte ich anders sein und fühlte mich nicht mehr als Teil der Gesellschaft.

 

 

Heute definiere ich den perfekten Umgang mit einer Diagnose wie folgt:

 

  • Den behandelnden Arzt ausfragen! Erfragen, was man wissen will, um Unsicherheit und Angst zu meiden.

 

 

  • Eigenrecherche! Informiere dich über das was du hast, aber lese keine allzu dramatischen Textzeilen, um dich nicht zu sehr abzuschrecken oder unnötige Angst zu schüren.

 

 

  • Zeit! Nehme dir die Zeit, um alles genau zu verarbeiten. Wieviel Zeit, dass definierst du für dich selber

 

 

  • Familie und Angehörige aufklären! Kommunikation beseitigt Missverständnisse. Auch Familien und Angehörige brauchen ihre Zeit, um all das zu verstehen und annehmen zu lernen.

 

 

  • Professionelle Hilfe! Beratungsstellen können als erste Anlaufstelle eine große Hilfe sein, aber auch Therapien. Da Familie und Angehörige oft damit nicht umzugehen wissen, ist professionelle Hilfe hier der richtige Ansprechpartner.

Einen informativen Austausch bieten ebenso Selbsthilfegruppen. Wer die persönlichen                       Treffen wie ich nicht mag, kann sich auf Facebook eine angemessene Selbsthilfegruppe zur                 Hilfe nehmen.

 

 

  • Eigenhändig Produkte oder Mittel suchen die einem helfen. Die Bandbreite an Hilfsmitteln ist sehr groß. Das können Haushaltsgegenstände, Cremes oder auch gesundes Essen sein.

 

Egal was es ist, dass dir gut tut und hilft, du solltest immer mit deinem Arzt absprechen,                     welche Cremes zu testest oder Zusatzmedikamente, wie Vitamine und Co.

 

 

Fazit:

Es ist nicht wichtig, welche Diagnose man erhält, sondern wie man damit umgeht.

Den für sich richtigen Umgang muss man erproben und lernen.

Unvorhergesehenes kann uns aus dem Leben reißen, daher ist es von großer Wichtigkeit, dass wir mit uns selbst achtsam umgehen. Dies können wir nur mit der richtigen Aufklärung tun. Aufklärung schützt vor Unwissenheit und Unsicherheit.

Written by Arzu

chat 1 Kommentar

  1. Hallo Arzu,
    ich bin heute eher „zufällig“ auf deinen Blog gestossen, möchte dir aber einfach gerne mal sagen,
    dass deine Texte gut tun und trotz all dem Schweren, was die SLE mit sich bringt, viel Positives ausdrücken!
    Danke!
    Und für dich alles Gute!
    LG Milka

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